Wiederaufarbeitung radioaktiver Abfälle

Der wohl grösste ökologische Unsinn der Atomindustrie ist die sogenannte Wiederaufarbeitung radioaktiver Abfälle. Was hier als sogenanntes Recycling von Brennstäben propagandiert wird, ist in Wirklichkeit die grösste ökologische Schweinerei die heute noch von der Atomindustrie praktiziert wird.
War die Wiederaufarbeitung ursprunglich zur Plutonium-Gewinnung da, also zur Atomwaffen-Produktion,  so wird sie heute dazu missbraucht, davon abzulenken, dass das Endlager-Problem akut wird.
Also schiebt man die hochradioaktiven Brennstäbe via Bahn oder Lastwagen durch Städte und Dörfer und riskiert einmal mehr die Gesundheit der Bevölkerung. In der Wiederaufarbeitungsanlage kann man dann lumpige 2 - 3 Prozent der spaltbaren Isotope Uran 235 und Plutonium 239 herauslösen. Während die Radioaktivität des Abfallhaufens nur geringfügig und vorübergehend verkleinert wird, erhöht sich das Abfall-Volumen um ein Vielfaches.
Mit anderen Worten, für jeden Castor der die Schweiz in die Wiederaufarbeitung verlässt, kommen in ein paar Jahren etwa zehn Castor zurück.

Sellafield (GB)
Für diese Alibi-Übung namens Wiederaufarbeitung leitet Sellafield jährlich ca. 230 Millionen Liter schwachradioaktive Abwässer ins Meer. So haben sich inzwischen etwa 500 - 1000 kg Plutonium in der Irischen See angesammelt. Zum Vergleich: 1 Millionstel Gramm Plutonium eingeatmet reicht, um Lungenkrebs zu verursachen.
So ist die Wiederaufarbeitungsanlage in Sellafield in die Geschichte eingegangen als die grösste atomare Dreckschleuder Europas.

Wie die von der britischen Regierung eingesetzte „Black-Kommission" bereits 1983 festhielt, ist die Kinder-Leukämie-Rate rund um Sellafield mindestens 10 mal höher als im britischen Landesdurchschnitt. In Anbetracht solcher Zahlen ist es geradezu kriminell, eine solche Anlage weiterhin laufen zu lassen.
Mittlerweile ereigneten sich dir kuriosesten Dinge:

Schon im Jahr 1989 sagte der BNFL-Direktor A. Johnson:
 
Wiederaufarbeitung ist nicht nötig.
Tatsächlich würden einer oder zwei unserer wichtigsten Kunden ihre Verträge mit uns auf der Stelle kündigen, wenn sie könnten.


(A.Johnson, BNFL-Direktor) 

Dass die Schweiz und diverse andere Länder einen Teil ihres Atommülls heute noch nach Sellafield karren, obwohl Sellafield seit seiner Entstehung etwa tausend Störfälle hatte und die Umwelt verseucht wie kaum eine andere Anlage, ist absolut unverantwortlich.

La Hague (F)
Auch die zweite Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague, Frankreich, ist in Sachen Umweltverpestung nicht viel besser. La Hague leitet täglich 10 Millionen Liter radioaktive Abwässer ins Meer.

Einige Fakten:

Illegal? Wen interessierts?
Im August 1999 wurde von Professor Dr. Heribert Rausch (eine Kapazität für Umweltrecht und Energierecht) ein Rechtsgutachten erstellt, das ganz klar zum Schluss gekommen ist, dass Atomtransporte in die Wiederaufarbeitungsanlagen von La Hague (F) illegal sind. Gemäss diesem Gutachten stellt Artikel 36 des Atomgesetzes auch unzulässige radioaktive Freisetzungen im Ausland unter Strafe, was de-facto heisst, dass die Schweizer Atomindustrie gegen das Atomgesetz verstösst und keine weiteren Atomtransporte mehr in die Wiederaufarbeitungsanlagen liefern darf.
Da die Schweizer Behörden wissen, dass bei der Wiederaufarbeitung das Meereswasser von La Hague so massiv radioaktiv verseucht wird, wie es in der Schweiz bei weitem nicht erlaubt wäre, ist das Bundesamt für Energie (BfE) zu einer Verweigerung der Bewilligung verpflichtet.
Prof. Rausch sagt in seinem Rechtsgutachten: Ausserdem heisst es in Artikel 31: "Der Schweizer, der im Ausland ein Verbrechen oder Vergehen nach diesem Gesetz verübt, ist strafbar, selbst wenn die Tag am Begehungsort nicht unter Strafe gestellt ist".
Weitere Kommentare sind da eigentlich überflüssig.

In einem anderen Gutachten kommt der Basler Strafrechtsexperte Günter Stratenwerth ebenfalls zum Schluss, dass die Freisetzung von radioaktiven Giften nach Schweizer Recht unter Strafe steht - selbst wenn die Tat im Ausland begangen und dort nicht geahndet wird.

Es ist schlichtweg skandalös, dass die Behörden einfach tatenlos zusehen, wie mit Schweizer Atommüll die Umwelt verseucht wird.