
Genmanipulation in der Landwirtschaft
Rinderwahnsinn
Als vor einigen Jahren die
Idee entstand, man könne die Kälber und Rinder mit Schlachtabfällen
füttern, waren sich die Wissenschaftler und Politiker einig, dass
dies ungefährlich sei - obwohl damit ein Pflanzenfresser zum Fleischfresser
vergewaltigt wurde.
Die Wissenschaftler versicherten,
dass Pflanzen und Schlachtabfälle substantiell gleich seien.
Als dann Jahre darauf die
BSE-Seuche entstand, war plötzlich niemand mehr verantwortlich und
die Bauern mussten den Schlamassel selber ausbaden. Letztendlich wurden
sogar sie für das Dilemma verantwortlich gemacht.
Auch heute kommen die internationalen
Agro-Multis mit ihren genverkrüppelten Produkten und versichern mit
Unterstützung der Wissenschaftler und Politker, die genveränderte
Soja sei substantiell gleich wie die natürliche Soja. Sollte sich
eines Tages herausstellen, dass dem nicht so ist, so liegt auf der Hand,
wer den schwarzen Peter wieder zugeschoben bekommt.
Herbizid-Resistenz
Die Frage stellt sich auch,
was überhaupt hinter dieser ominösen Gentech-Sojabohne steckt.
Der amerikanische Agro-Multi „Monsanto“ ist der Hersteller des Totalherbizids
„Roundup“. Ein Totalherbizid ist ein Unkrautvertilgungsmittel, dass radikal
alle Pflanzen vernichtet, die mit diesem Gift in Berührung kommen.
Der Einsatz eines solchen Giftes musste also sehr vorsichtig und selektiv
gehandhabt werden, um das Saatgut nicht zu vernichten. Nun hatte der selbe
Hersteller die schwachsinnige Idee, die Sojabohne immun zu machen gegen
das Gift („Roundup Ready Soybean“). Was in der Fachsprache „herbizidresistenz“
heisst, bedeutet nichts anderes, als dass man den ganzen Acker vergiftet
und dafür eine Pflanze „baut“, die auf diesem vergifteten Boden leben
kann.
Die Firma „Monsanto“ verdient
sich so dumm und dämlich, weil sie zusammen mit dem Spritzmittel gleich
noch die resistente Pflanze verkaufen kann. Dafür leidet die Umwelt
doppelt. Zuerst wird sie mit einem Totalherbizid vergiftet und dann auch
noch mit einem gentechnisch veränderten Organismus konfrontiert, dessen
Folgen auf das Ökosystem noch nicht geklärt sind.
Dieses Beispiel widerlegt
auch die Behauptung der Gentech-Industrie, Gentechnologie würde den
Einsatz von Chemikalien eindämmen.
Patentierung = Sklaverei
Die grösste Gefahr für
die Bauern sehe ich jedoch in der Patentierung: Durch Genmanipulation soll
Leben patentierbar werden. Obwohl die Manipulation höchstenfalls eine
Entdeckung ist, aber keinesfalls eine Erfindung, macht die Industrie für
ihre genmanipulierten Pflanzen und Tiere Patentschutz geltend, als hätten
sie diese geschaffen. Die genmanipulierte Sojabohne von „Monsanto" zeigt,
wie solcher Patentschutz aussieht. Die Bauern, welche dieses Gentech-Soja
anbauen, müssen der Firma Monsanto während 15 Pflanzen-Generationen
Lizenzgebühren bezahlen. Dazu muss der Bauer einen Vertrag unterschreiben,
welcher der Firma Monsanto nicht nur das Recht gibt, seinen Betrieb regelmässig
zu kontrollieren, sondern auch vorschreibt, wann er das Saatgut und die
Spritzmittel ausbringen muss. Das ist bereits heute schon traurige Realität
und ist meines Erachtens moderne Sklaverei, da der Bauer unter diesen Umständen
nicht mehr Herr seiner Felder ist sondern nur noch ein Handlanger der Chemie-Multis!
Antibiotika-Resistenz
Eines der nächsten Delikatessen
der Gentech-Industrie ist der bt-Mais von Novartis. Dieser hat einerseits
ein Gen eingebaut, das es ihm ermöglicht, ein bt-Toxin zu produzieren,
das den Maiszünsler vergiftet. Zusätzlich wurde im ein Antibiotika-Resistenzgen
„eingebaut" als sogenanntes Marker-Gen. Dies wird benötigt, weil beim
Transfer eines Fremdgens in einen Zielorganismus die Chance, dass das Gen
am richtigen Ort ankommt verschwindend klein ist. Also „beschiesst" man
tausende von Zellen mit Fremd-DNA. Nach dem Transfer kann man die Zellen
mit Antibiotika behandeln und diejenigen, die überleben, sind „erfolgreich"
mutiert. Der Haken an der Sache ist nun, dass dieser Organismus die Antibiotikaresistenz
für immer in sich trägt. Es konnte experimentell nachgewiesen
werden, dass Bakterien unter gewissen Umständen Fremd-Gene in sich
aufnehmen können. Somit kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese
Antibiotika-Resistenz früher oder später auf den Menschen übertragen
wird. Die Landwirtschaft hat heute schon mit dem Problem der Antibiotikaresistenz
zu kämpfen. Ein weiteres Risiko in dieser Thematik wäre unverantwortlich.
Insellösung oder Vorreiterrolle?
Die Befürchtung, eine
kritische und vorsichtige Haltung der Schweiz in Sachen Gentechnologie
würde die Schweiz zu einer Insel machen und vom Welthandel absondern,
sind meines Erachtens unbegründet. Tatsache ist, dass weltweit nur
5 Prozent der Sojaernten genmanipuliert sind. In Anbetracht der erwarteten
Widerstände Europas hat der amerikanische Agro-Multi „Monsanto" die
Sojaernten absichtlich vermischt, um die freie Entscheidung der Konsumenten
zu verhindern. Europa hat sich von „Monsanto" erpressen lassen und die
Gen-Soja trotz berechtigter Bedenken von Umwelt- und Konsumenten-Organisationen
undeklariert zugelassen. Erst nachdem die Schweiz als einziges Land dank
dem Widerstand der Konsumenten die Gen-Soja nicht zugelassen hat, fand
die EU den Mut, auch eine Deklarationspflicht zu fordern. Dieses Beispiel
zeigt, dass eine Vorreiterrolle der Schweiz etwas bewirken kann. Es ist
nicht einzusehen, weshalb auch wir uns dem Druck der Amerikaner und der
Agro-Multis beugen sollen und uns von irgend welchen internationalen Chemie-Giganten
vorschreiben lassen, was auf unseren Tisch oder auf unsere Felder kommt.
Die absichtliche Vermischung von natürlicher und gentechnisch veränderter
Soja durch die Firma Monsanto ist der Gessler-Hut von heute.
Zukunfts-Chance
Gerade die Genschutz-Initiative
bedeutet für die Schweiz eine grosse Chance, da natürliche und
gentech-freie Lebensmittel von den meisten Konsumenten gewünscht wird.
Gentech-freie Produkte werden sich in Zukunft immer gut verkaufen lassen
und es wäre fatal, wenn die Bauern auch auf diesen Genfood-Zug aufspringen
würden. Ende letzten Jahres zeigte der Schokoladen-Hersteller „Linth
& Sprüngli", dass es in der Schweiz noch Firmen gibt, die mit
Vernunft in die Zukunft schauen und ohne Scheuklappen planen können.
Während der Verband der Schokoladen-Hersteller nichts besseres wusste,
als mit Auswanderung zu drohen - was in Anbetracht des Image-Vorteils „Schweizer-Schokolade"
absolut unglaubwürdig ist - sah die Firma „Linth & Sprüngli"
ihre Chance, mit klar gentech-freier Schokolade den Markt zu erobern. Ich
bin überzeugt, dass Firmen, die so auf die Konsumentenbedürfnisse
eingehen, von den Konsumenten auch bevorzugt werden.
Was hat uns Gentechnologie
gebracht?
Seit 20 Jahren gibt es Gentechnologie
doch was hat sie bis heute gebracht? Nutzpflanzen die gegen Spritzgift
immun sind (herbizidresistenz), Fliegen mit 14 Augen, ein krankes Riesenschwein
und Tomaten, die frisch aussehen auch wenn sie alt sind, also nichts was
den Konsumenten wirklich nützlich wäre.
Um die vorhersehbaren Verluste
dieser Pleite-Entwicklungen aufzufangen, will die Industrie nun zügel-
und schrankenlos alles zu Geld machen, was die Gentechnologie auch immer
manipulieren kann. Die Genschutz-Initiative soll diesem Missbrauch klare
Grenzen setzen und einen vernünftigen und vorsichtigen Umgang mit
dieser Technologie garantieren.
Die einzigen, die durch die
Genschutz-Initiative etwas zu verlieren haben, sind jene multinationen
Konzerne, welche die Schöpfung patentieren und damit ihren Geldbeutel
füllen wollen. Es ist nicht einzusehen, weshalb für die medizinische
Forschung Patente auf Kartoffeln, Soja oder andere Grundnahrungsmittel
nötig sein sollen.
Rat an die Bauern
Ich hoffe, dass sich die Bauern
nicht vor den Karren der Agro-Multis spannen lassen und ihre
Chance packen, natürliche
und gesunde Nahrungsmittel herzustellen.
Ich bin überzeugt, dass
spätestens nach der ersten Gross-Katastrophe durch Gentechnologie
diejenigen, die natürliche, nicht gentechnisch veränderte Nahrungsmittel
produzieren, die Gewinner sein werden.